Herbst 2020

Liebe Patienten/innen
Liebe Gäste
Liebe Webside Besucher

Ein durchzogener Sommer ohne Hitzetage ist längst in den Herbst hinüber  geschwappt. Bis jetzt gab es noch keine milden Altweibertage.  Es wurde rasch kalt und kurz nach Herbstbeginn fiel 40 cm Schnee. Im Tal schmolz der Schnee wieder langsam dahin. Kaum wieder weg schneite es erneut und es ist kalt geblieben. Trotzdem hoffen wir noch auf milde goldene Herbsttage. Die Laubbäume sind noch kaum verfärbt und trotzdem werden die Tage  sichtlich kürzer und die Temperaturen sind tief. Also die Zeit für wärmere Kleider kam rascher als es den den meisten lieb ist. 

In der Übergangszeit vom Sommer zum Herbst wandelt sich in der chinesischen Medizin TCM das grosse Yang (Aktivität) langsam zum jungen Yin (Passivität) nach innen und wir kehren dadurch vermehrt von aussen in die Mitte zurück ins Erdelement. Diesem Element ordnet sich der Magen und die Milz Pankreas an. Die Aufgabe des Magens in der chinesischen Medizin besteht darin, aus der Nahrung Qi (Energie) zu gewinnen. Der Magen öffnet den Zugang zu den in der Nahrung verborgenen Schätzen. Diese gibt sie an die Milz weiter, welche für die Umwandlung von Nahrungsmitteln in Blut zuständig ist. Für die Umwandlung braucht es jedoch Wärme, welche das ganze Leben immer wieder im Unteren Erwärmer produziert werden muss. Fehlt es der Mitte an Energie und Wärme, entstehen Völlegefühl, Verdauungsschwierigkeiten, Blähungen, Müdigkeit nach dem Essen, Breiiger Stuhlgang, Übergewicht, Schnelle Bildung von blauen Flecken, Faulheit und Bequemlichkeit, Geistige Trägheit etc.

Dieses Element steht im Zentrum, in der Mitte und hier sollten wir „in uns ruhen“! In der Mitte zu sein bedeutet weder an der Vergangenheit zu kleben noch in die Zukunft zu greifen, sondern verweilen in den stillen Momenten der Mitte, in dem was ist.
Der natursüsse Geschmack und die maisgelbe Farbe wird auch Magen und Milz zugeschrieben. Übermässige Emotionen wie Mitleid, Sorgen und grübeln schädigen dieses Element. Das Grübeln staut unserer Qi, das Denken wird unscharf und äussert sich in undeutlichen Argumenten und verschwommenen Ideen. Es entsteht Unsicherheit und das Gefühl, an allem Schuld zu sein.
Menschen mit einer gesunden Erde-Kraft erkennt man an spriessender Vitalität. Sie laden ihre Batterien fortlaufend auf und sind ständig angedockt an ihren Wurzeln. Sie sind entscheidungsfähig und geniessen ihr Leben.

Einige Pflanzen gedeihen im Herbst noch bis zur Reife, das Wachsen gerät bald ins Stocken und verändert seine Richtung, das heisst, der Rückzug beginnt. Die Blätter und die Nadeln der Bäume nehmen diese Jahr erst spärlich die Herbstfarben an. Im Herbst ändern sich die klimatischen Bedingungen oft drastisch. Morgens kann es frisch und neblig sein und mit etwas Glück scheint später die Sonne und abends kühlt es schon rasch wieder ab, denn die Sonne hat an Kraft verloren und es dunkelt schnell ein. Viele Menschen unterschätzen oft diese wechselnden Temperaturen, feucht kaltes Wetter und die Winde. Diese Äusseren Faktoren setzen dem Körper zu und wer jetzt nicht aufpasst verkühlt sich, fängt eine triefende Nase ein und unter Umständen friert er innerlich und kämpft mit einer beginnenden Erkältung.
Um dem vorzubeugen ist es jetzt höchste Zeit die Ernährung der eingekehrten Jahreszeit anzupassen, wenn wir gesund und voller Energie über die Runden kommen wollen. Die energetisch wärmenden Speisen können kräftiger gewürzt und sollten jetzt wieder länger gekocht werden, um die Mitte zu stärken. Auf dem abwechslungsreichen Speiseplan sollten jetzt mindestens zwei wenn nicht sogar drei gekochte Malzeiten stehen! Alles was auf unseren Breitengraden im Herbst geerntet und zum Teil eingelagert wird bekommt uns bestens. So zum Beispiel: frisch zubereitete Kraftsuppen, Kürbisse, Dörrkastanien, Mais, Kartoffeln, Hirse, geröstete Haferflocken, Porridge, Naturreis, Linsen, lang gekochte Eintopfgerichte, Rüebli, alle Kohlsorten, Lauch, Radiesli, einheimisches Wildfleisch, Rind- und Lammfleisch, geschnetzeltes Huhn mit Ingwer, Ingwertee, roter Traubensaft mit Ingwer und Zimt etc.

 

Die lang gekochten Gerichte bringen wieder mehr Energie und helfen uns die eventuell vorhandene Feuchtigkeit aus der Mitte zu eliminieren und so das Immunsystem für die kältere Jahreszeit zu stärken. Im Herbst müssen wir darauf achten, dass wir die Energie in der Mitte sammeln und nicht an der Oberfläche zerstreuen wie im Sommer. Jetzt sind wir eh wieder mehr drinnen in der Wohnung als draussen und es lohnt sich ganz bestimmt vermehrt sich die Zeit zu nehmen und schmackhafte wärmende Gerichte zu kochen und sie anschliessend in einer wunderbaren Athmospäre zu geniessen. Es lohnt sich auch alleweil sich die Zeit zu nehmen, unser Essen zu geniessen und zu kauen, kauen und nochmals kauen und damit entlasten wir unsere Erdorgane Magen und Milz und sie sind uns dankbar dafür.

Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen allen „en Gueta“ bei den wärmenden Gerichten mit genussvollem langsamen kauen, auch genügend Bewegung, ausreichenden Schlaf und LIEBE – VOLLE Gedanken 🙂

Ich freue mich nun auf ein paar ausgedehnte “Altweibersommertage”, wo ich mich draussen noch bewegen kann.
Ihnen Allen wünsche ich einen erfüllenden anständigen Herbst mit vielen farbigen Impressionen und achtsamen Begegnungen.

 

Mit herbstlichen Grüssen an Alle aus Nah und Fern
Mary Seeli 🙂

Parpan, 12.Oktober 2020

 

 

Ähnliche Beiträge: